STS Druzhba: Modernisierung der Ankeranlage auf Basis eines präzisen Schiffsvermessungsprojekts

Dieser technische Bericht dokumentiert die Modernisierung der Ankeranlage des ukrainischen Schulsegelschiffs "Druzhba". Das Projekt umfasste eine Bordvermessung, die Maßverifikation der vorhandenen Installation, die Auswahl einer modernen elektrohydraulischen Ankerwinde sowie deren erfolgreiche Integration unter Beibehaltung der Kompatibilität mit der ursprünglichen Decksanordnung im Vorschiffsbereich.

STS Druzhba: Modernisierung der Ankeranlage auf Basis eines präzisen Schiffsvermessungsprojekts

Einleitung und Zustandsbewertung der vorhandenen Anlage

Manche Ingenieurprojekte bleiben nicht wegen ihrer technischen Komplexität in Erinnerung, sondern wegen der Schiffe, auf denen sie durchgeführt wurden. Vor etwa zwanzig Jahren wurde an Bord des ukrainischen Schulsegelschiffs "Druzhba" eine Modernisierung der Ankerwinde abgeschlossen. Das Schiff wurde für die Ausbildung künftiger Offiziere der Handelsmarine gebaut und verkörpert einen ganz eigenen Ansatz im Schiffbau. Anders als bei kommerziellen Frachtschiffen musste jede Modernisierung in eine seit Jahrzehnten bewährte Konstruktion eingepasst werden, ohne die Betriebsfähigkeit des Schiffes zu beeinträchtigen. Die vorhandene Ankerwinde polnischer Fertigung hatte das Ende ihrer Betriebslebensdauer erreicht. Fortschreitende Korrosion hatte die tragenden Bauteile angegriffen und den sicheren Betrieb zunehmend in Frage gestellt. Bevor Ersatzausrüstung ausgewählt werden konnte, war es notwendig, die Integration der vorhandenen Anlage in die Schiffskonstruktion vollständig zu verstehen und zu klären, wie ein modernes System eingebaut werden könnte, ohne die ursprüngliche Anordnung zu beeinträchtigen.

Bordvermessung und Maßverifikation

Das Projekt begann mit einer detaillierten Bordvermessung. Vorhandene Zeichnungen wurden gesichtet und ergänzende Maße direkt an Bord aufgenommen. Vor der Auswahl der Ersatzausrüstung wurden das vorhandene Fundament, der Achsabstand der Kettenräder sowie die Kettenlaufgeometrie sorgfältig überprüft. Besondere Aufmerksamkeit galt den Abmessungen des Fundamentrahmens, dem Kettenverlauf durch die Klüsen sowie der Verträglichkeit mit der bestehenden Decksanordnung. Die Originalzeichnung der polnischen Ankerwinde wies einen Auflaufwinkel der Ankerkette von etwa 15° aus — im tatsächlichen Betrieb hatte dieser Wert rund 17° erreicht. Ein Auflaufwinkel von mehr als 15° gilt in der Ankertechnik als ungünstig, da er zu erhöhtem Verschleiß an den Kettenrädern und der Klüsenrohrinnenwand führt. Aufgrund des Höhenunterschieds der neuen Ankerwinde verringerte sich der Auflaufwinkel auf etwa 12°, was vor der endgültigen Ausrüstungswahl einer sorgfältigen Verifikation bedurfte. Der Austausch der Ankerwinde verbesserte damit nicht nur die Ausrüstung selbst, sondern auch die gesamten Betriebsbedingungen der Ankeranlage. Die Vermessung erfolgte lange bevor Laserscanning und digitale Schiffsmodelle zum Standard wurden. Die Auswahl der Ersatzausrüstung basierte auf vorhandenen Zeichnungen, Bordmaßen und ingenieurtechnischer Berechnung.

Ursprüngliche Ankerwinde polnischer Fertigung. Fortschreitende Korrosion an den Strukturbauteilen.
Ursprüngliche Ankerwinde polnischer Fertigung. Fortschreitende Korrosion an den Strukturbauteilen.
Vermessungsskizze an Bord. Verifikation des Kettenlaufwinkels: 17° → 12°.
Vermessungsskizze an Bord. Verifikation des Kettenlaufwinkels: 17° → 12°.

Auswahl der Ersatzausrüstung

Auf Grundlage der Vermessungsergebnisse wurde eine kompakte elektrohydraulische Ankerwinde des Herstellers SEC Ten Horn (Niederlande) ausgewählt. Der Lieferumfang umfasste einen elektrohydraulischen Antrieb, eine integrierte Hydraulik-Aggregateinheit, ein werksgeprüftes Hydrauliksystem, einen geschlossenen Fundamentrahmen sowie die Zertifizierung durch den Germanischen Lloyd. Im Vergleich zu konventionellen Hydraulikanlagen mit separaten Aggregaten und externer Rohrleitungsführung vereinfachte die integrierte Bauweise den Einbau erheblich und reduzierte den bordmäßigen Ausrüstungsaufwand. Für ein Segelschiff war dies ein entscheidender Vorteil: Die aufwendige Verlegung von Hydraulikleitungen über das historische Teakdeck entfiel vollständig.

Montage und Inbetriebnahme

Die neue Ankerwinde wurde längsseits geliefert und mit einem Schwimmkran an Bord gehoben. Montage und Inbetriebnahme erfolgten gemeinsam mit der Schiffsbesatzung unter technischer Aufsicht. Nach dem Einbau entsprach die Kettenlaufgeometrie der Ankeranlage exakt den in der Vermessungsphase verifizierten Maßen: Die Kette lief korrekt durch die vorhandenen Klüsen. Wesentliche Änderungen an der Vorschiffskonstruktion oder der Fundamentplattenanordnung waren nicht erforderlich, was die Richtigkeit der vorprojektlichen Berechnungen bestätigte.

SEC Ten Horn EHAW 34 K2 vor der Montage. Hydraulikaggregat in das Getriebe integriert.
SEC Ten Horn EHAW 34 K2 vor der Montage. Hydraulikaggregat in das Getriebe integriert.
Montage gemeinsam mit der Schiffsbesatzung.Überprüfung beim Ankerhieven
Montage gemeinsam mit der Schiffsbesatzung.Überprüfung beim Ankerhieven

Technische Verifikation

Aus technischer Sicht erforderte die Integration moderner Ausrüstung in ein historisches Schiff eine sorgfältige Verifikation in jeder Projektphase. Da die Ersatzeinheit von einem anderen Hersteller stammte und einer anderen Gerätegeneration angehörte, waren Standardverfahren für die Nachrüstung nicht unmittelbar anwendbar. Die frühzeitig durchgeführte Bordvermessung bildete die wesentliche Grundlage für die Ausrüstungswahl und verhinderte Maßabweichungen beim Einbau. Die ursprüngliche Zeichnung der polnischen Ankerwinde wies einen Auflaufwinkel von etwa 15° aus — im Betrieb hatte dieser Wert rund 17° erreicht, womit der technisch zulässige Grenzwert überschritten war. Die neue Installation reduzierte den Auflaufwinkel auf etwa 12° und verbesserte damit die Betriebsbedingungen der gesamten Ankeranlage. Die Wahl einer Ankerwinde mit geschlossenem Fundamentrahmen und integriertem Hydraulikkreislauf entfiel auf die Notwendigkeit externer Decksleitungen, vereinfachte den Einbau und ermöglichte die GL-Zulassung ohne zusätzliche konstruktive Änderungen.

Prävention

Detaillierte Bordvermessung, präzise Maßverifikation, Auswahl einer elektrohydraulischen Ankerwinde mit geschlossenem Hydraulikkreislauf sowie technische Überwachung der Montage.

Rückblick

Seit dem Abschluss dieses Projekts sind mehr als zwanzig Jahre vergangen. Die Zeichnungen sind Teil eines Archivs geworden. Die Fotografien gehören einem anderen Abschnitt des Berufslebens an. Die Ankerwinde selbst ist längst nicht mehr neu. Heute liegt die "Druzhba" an ihrem Liegeplatz in Odessa. Wie viele historische Schulschiffe hängt ihre Zukunft von Umständen ab, die weit über das Ingenieurwesen hinausgehen. Odessa durchlebt gegenwärtig keine leichten Tage. Doch vielleicht ist es gerade deshalb wichtig, dass Dinge erhalten bleiben — Archive, Zeichnungen, Fotografien. Dieses Projekt wurde zu einem kleinen Teil der langen Dienstgeschichte eines bemerkenswerten Segelschiffes. Und vielleicht ist es genau das, was solche Projekte erinnerungswürdig macht.

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